Sue Fengler Stress
Sophie Wolter

Buchauszug | Less Stress in your 30s: Sprechen wir über People Pleasing

Na, wer kennt's: Die Frage "Wann hast du denn mal wieder Zeit?" löst Stress pur in uns aus und kann eigentlich nur mit den Worten „Nie! Für nix und niemanden!“ beantwortet werden. Der Blick in den Terminkalender ist schlichtweg ernüchternd  – dabei wünscht man sich doch einfach nur ein wenig Zeit zum Runterkommen und Entspannen. Würden sie uns nicht ständig im Nacken kleben: der Zeitdruck und das Gefühl, nonstop Terminen, Deadlines und Aufgaben hinterherrennen zu müssen. Genau dieses Phänomen kennt auch Sue Fengler und widmet sich in ihrem neuen Buch "Less Stress in your 30s" dem Zeitdruck ab 30 und darum, wie wir mit der weniger werdenden Zeit und dem Stress durch immer mehr Verantwortung und Verpflichtungen umgehen.

In diesem Artikel dürfen wir euch freundlicherweise einen Auszug aus dem Kapitel "Sprechen wir über People Pleasing" vorstellen.

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Ja, ich weiß, es gibt jetzt scheinbar für alles einen englischen Ausdruck. Über diesen bin ich aber (wie bei Mental Load) sehr dankbar. Weil es wichtig ist, einen Begriff für dieses Phänomen zu haben – damit wir es konkreter benennen und darüber sprechen können. Gerade als Frauen, denn es gibt besonders häufig People Pleaserinnen. Das liegt an unserer Sozialisierung. In unserer Gesellschaft ist es leider von jeher wichtig, als Frau zu gefallen – dem Mann und allgemein. Nicht anzuecken. Für Harmonie zu sorgen. Ich kann mich selbst noch gut daran erinnern (lass uns nicht nachrechnen, wie lange das zurückliegt …), dass es als Mädchen so was von wichtig war, brav zu sein. Während sich die Jungs im Dreck wälzen durften und rebellisch sein »weggelacht« wurde. Kennst du bestimmt, oder? Ich sehe im Coaching so oft, dass gerade wir Frauen durch People Pleasing besonders viel Stress haben. Aber was ist mit diesem Begriff eigentlich genau gemeint?

People Pleasing steht dafür, anderen gefallen zu wollen. Es anderen recht zu machen. Dabei werden eigene Bedürfnisse häufig nicht ausreichend berücksichtigt.

Als ich das erste Mal davon hörte, kam mir das selbst sehr, sehr bekannt vor. Beruflich, wenn ich noch eine Aufgabe übernahm, obwohl ich das Ende der To-do-Liste nicht mal mit einem Fernglas sehen konnte (und ich habe Adleraugen!). Oder wenn ich mich, obwohl ich abends eigentlich nur auf dem Sofa liegen wollte, noch zu einem Job-Event schleppte. Aber auch im Privaten, wenn ich »noch mal eben kurz« etwas erledigte und deshalb nicht die Yogamatte ausrollen konnte, obwohl es mir so gutgetan hätte. Im »Life at 30«-Mentoring, das ich schließlich gründete, sind People Pleasing und Abgrenzung auch Themen, die immer wieder nachgefragt werden.

"Was wir definitiv verstehen müssen: Dass wir nicht gleich selbstsüchtig sind, weil wir für unsere Bedürfnisse einstehen."

  • Sue Fengler: Less Stress In Your 30s: Wenn du dir mehr Zeit, Leichtigkeit und Energie wünschst, lies dieses Buch, hier erhältlich
  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • erschienen bei: Gräfe und Unzer Verlag GmbH

Weil wir People Pleasing aber in Relation mit erstrebenswerten Charaktereigenschaften setzen, fällt uns eine Veränderung hier häufig schwer. Wir möchten uns als nett und hilfsbereit sehen und keinesfalls als egoistisch wahrgenommen werden. Dabei übersehen wir aber, dass es zwischen dem Anfang der Skala (hilfsbereit) und dem Ende (egoistisch) ziemlich viel dazwischen gibt.

Was wir definitiv verstehen müssen: Dass wir nicht gleich selbstsüchtig sind, weil wir für unsere Bedürfnisse einstehen. Das sollte normal und nicht außergewöhnlich sein. Woran kannst du nun People Pleasing erkennen? Hier sind zehn typische Anzeichen für People Pleasing:

  • Deine eigene Meinung zu sagen, fällt dir schwer, und du tendierst dazu, anderen einfach zuzustimmen.
  • Du fühlst dich dafür verantwortlich, wie sich andere fühlen.
  • Du entschuldigst dich wahnsinnig häufig.
  • Deine To-do-Liste ist besonders voll mit Dingen, die andere Menschen dir aufgetragen haben oder von dir wollen.
  • Du kannst nicht Nein sagen.
  • Du fühlst dich extrem unwohl, wenn jemand unzufrieden mit dir ist.
  • Du verhältst dich unterschiedlich, je nachdem, mit wem du zusammen bist.
  • Bestätigung durch andere Menschen ist nicht einfach nur schön, du brauchst sie.
  • Du versuchst alles, um Konflikten auszuweichen.
  • Du sagst nichts, wenn deine Gefühle verletzt wurden.

Natürlich ist das nicht allumfassend oder wissenschaftlich zu verstehen, aber es sind leicht erkennbare Anzeichen.

Es geht natürlich nicht darum, plötzlich nicht mehr nett, hilfsbereit und fürsorglich zu sein. Sondern darum, People Pleasing zu erkennen und darauf zu achten, dass du nicht ständig – über deine eigenen Bedürfnisse hinweg – nur versuchst, es möglichst allen anderen recht zu machen.

Und was hilft jetzt dabei, nicht immer in People Pleasing zu verfallen? Zunächst einmal, deine Bedürfnisse kennenzulernen und nicht ständig wegzudrücken. Dir darüber bewusst zu werden. Dann People Pleasing bei dir zu erkennen. Und schließlich: Nein sagen lernen und beginnen, eigene Grenzen zu setzen. Fang damit ganz klein an in einer Situation, in der es dir möglichst leichtfällt.

Ich habe zum Beispiel aufgehört, mich für die kleinsten Dinge ständig zu entschuldigen. Das tat ich, weil ich Angst hatte, jemand könnte sauer auf mich sein. Mittlerweile habe ich meine Energie im Blick und verteidige so meine eigenen Kapazitäten und Grenzen, bevor alles zu viel wird.

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